Spielend mit der Stimme Geld machen (Lektion 3: Das Leid der Ablenkung)

Geschäftsaufbau als Stimmschauspieler - Lektion 3: Das Leid der Ablenkung

Es ist hart! Es ist zwar schon einen Monat her, dass ich diese Reihe begonnen habe, doch statt 4 Episoden zu produzieren (wöchentlich eine neue), hatte ich nur 2 Episoden erstellt.

Was war passiert?

Die kurze Antwort: Ich leide an Ablenkung und betrachte diese mittlerweile als Krankheit. Ich lasse mich von anderen Interessen ablenken, anstatt den Nährboden dieses einen Themas, das ich in dieser Serie behandeln möchte, fruchtbar zu halten: Ein Stimmschauspieler werden mit eigenem Geschäft, der seine Kunst und das Geschäft auf die Reihe bekommt.

Lies weiter, schau' das Video oder hör dir die gesprochene Audio-Version an!

Eine Ablenkung war das englischsprachige Projekt „Help me find a topic to write about“. Ich wollte alle Informationen aus dem Internet zusammensammeln und einen Assistenten bauen, der dich mithilfe eines interaktiven Fragebogens von keiner Idee, was du schreibst sollst, zum Status bringt: „Ich weiß genau, was zu schreiben ist, wann ich mein nächstes Stück veröffentlichen werde und die weiteren 4 bis 5 Texte danach ebenfalls.“ Ich fand das interessant, weil ich vielen Leuten helfen würde, wenn man bedenkt, dass nur allein Google fast 1 Milliarde Suchergebnisse für „what to write about“ ausspuckt. Das war ein deutliches Signal für mich. In der Tat war ich von Pieter Levels inspiriert, der minimal lebensfähige Produkte (MVPs) relativ schnell erschafft. Also sagte ich mir: Ich will etwas Ähnliches machen.

Ganz am Anfang des Projekts, bevor es wirklich losging, hatte ich geschrieben:

An diesem Wochenende möchte ich das Problem lösen, ein Thema zu finden, worüber du schreiben kannst. Sean McCabe, für mich ein sachkundiger Mensch beim Thema Geschäft und Kunst, hat über dieses Thema an verschiedenen Stellen gesprochen und es gibt viele weitere Artikel von anderen Autoren. Also fragte ich mich: Was wäre, wenn es einen Ort gäbe, der die leidige Suche nach einem guten Thema löst?

Deshalb gebe ich mir ab diesem Wochenende 4 Wochenenden Zeit, um eine Idee in ein Produkt umzusetzen und zu veröffentlichen. Danach skaliere und monetarisiere ich es.

Ich dokumentiere alles auf: naii.io

Das finale Produkt kannst du hier sehen: helpmefindatopictowriteabout.com

Klingt gut, ne? Aber mehr auch nicht. Seit ich dieses „Mission Statement“ vor etwa 2 Wochen geschrieben habe, war nichts passiert, außer einer Website, auf der ich im Grunde sage, dass das Problem durch den oben genannten Sean McCabe gelöst wurde, weil er viele Unterrichtsmaterialien zum Schreiben zur Verfügung stellt. Das glaube ich nach wie vor. Aber mein Projekt wurde jetzt zum Witz und ich ließ mich außerdem von etwas ablenken, das nicht mein Fokus sein sollte.

ABER: Du musst eine wichtige Zusatzinformation kennen. Seit einer Weile habe ich jetzt dieses Projekt „Free Write Camp“, das aktuell eine DokuWiki-Installation mit viel bla bla und ein paar guten Ideen und Konzepten ist. Mit dem Projekt, das ich schon erwähnt habe (Menschen helfen, ein Thema zum Schreiben zu finden) wollte ich indirekte Aufmerksamkeit für Free Write Camp schaffen. Das Camp drückt mein Verlangen nach einer Plattform aus, wo du kostenlose Bildung fürs bessere Schreiben erhältst. Das wäre zwar rein spendenbasiert, aber ein gewinnorientiertes Geschäft. Das ist bisher aber nur Theorie.

Und das ist das nächste Problem: Von Natur aus bin ich ein Denker, Theoretiker und Philosoph. Ja, ich mache und führe auch aus, wenn ich ein klares Ziel habe, zum Beispiel wenn ein Kunde einen Job für mich hat. Aber wenn es um meine eigenen Projekte geht, phantasiere und träume ich und spinne mit „Was wäre wenn“- Aussagen rum, um damit die wirklich harte Arbeit sowie die damit verbundenen Entbehrungen zu vermeiden. Ich bin mir nicht sicher, warum ich es tue, aber ich denke, es ist Angst vor dem Versagen (kombiniert mit der Angst, Zeit für etwas verschwendet zu haben, ohne ein klares Ergebnis vorweisen zu können). Auch die Angst, etwas zu verpassen, das ich mit anderen Dingen machen könnte (#fomo), spielt eine gewichtige Rolle. Meine Ängste und Probleme sind mir also weitgehend bekannt. Auch weiß ich, wie man es vermeidet, abgelenkt zu werden - in der Theorie (und teilweise in der Praxis, aber eben nicht konsequent). Ich weiß: Wenn du versuchst, viele Dinge zu tun, machst du nichts (richtig).

Also, mach dir einen Plan (also Gewohnheiten bzw. Routine, um der Weiterentwicklung deiner Kunst nachzugehen), beseitige die Möglichkeit von Ablenkung und bleib trotzdem immer noch ruhig auf diesem Ritt, ohne verrückt zu werden. Behalte dabei einen gesunden Lebensstil bei, iss’ gut, treib’ Sport und führe gute Gespräche mit Leuten, die dir etwas bedeuten. Regelmäßig fühle ich mich von meinen Gedanken überschüttet, weil ich zu viel denke, statt zu handeln. Wenn du ein ähnliches Problem hast, lies’ Eckhart Tolle’s „Power of Now“. Das Buch hat mir wirklich gut geholfen und ich würde es jetzt im Moment gern haben, habe es aber gerade an einen Freund ausgeliehen.

Ich kenne also im Prinzip alle Lösungen für mein Probleme, aber da meine natürliche Tendenz, zu viel zu denken, mich verlangsamt, mich zweifeln lässt, dass ich das Richtige tue und ich deshalb aufhöre (nachdem ich in der Ecke saß wie ein Junkie), stand ich mir selbst im Weg - und das war schon immer so bei Projekten, die ich selbst initiiert habe. Ich kann sehr gut anderen bei ihren Träumen behilflich sein, aber ich habe ein GROßES PROBLEM, meine eigenen Träume zu nähren. Ich frage mich, ob das mit Selbstvertrauen zu tun hat (obwohl ich immer davon überzeugt war, ich wäre selbstbewusst). Was fehlt mir?

(Zudem habe ich eine Vision von dem, wozu ich in der Lage sein würde (also zukünftige Projekte), wenn ich meine Stimme und Schauspiel-Fähigkeiten trainieren würde, also diesem Weg treu bleiben würde. Zum einen ein Pop-Song, zum anderen ein Animationsfilm - bei beiden würde die Stimme und das Schauspielern eine große Rolle spielen. Du siehst also, ich habe sogar relativ große Anreize, diesen Weg zu verfolgen. Nur damit du Bescheid weißt.

Wie du gemerkt hast, ist diese Lektion anders als die davor. Ich bin auch ehrlich. Ich hatte nicht geplant, dass sie so sein würde. Einen Übergang zu einer klassische Lerneinheit, wie ich sie in den letzten beiden Lektionen hatte (Lektion 1, 2), fände ich jetzt nicht mehr angebracht. Ich belasse es also dabei. Nächste Woche werde ich aber wieder eine „echte“ Lektion statt einer „Echtes Leben“-Lektion anbieten, versprochen, oder vielleicht eine Mischung aus beidem: eine Lektion und ein kleiner persönlicher Einblick hinter die Kulissen. Ich werde sehen.

Lass’ mich gerne wissen, ob die heutige Episode dir mit etwas geholfen hat. Ich würde mich freuen, von dir zu hören.

PS: Wenn du dich fragst, ob ich irgendetwas gemacht habe, um Fortschritte in Bezug auf Voice-Acting zu machen. Nun, das habe ich. Den Anfängerkurs der englischsprachigen Seite Gravy For The Brain habe ich beendet und ein Online-Seminar, bei dem es darum ging, ein Skript so zu sprechen, als würdest du ein Gespräch führen.

Außerdem habe ich in dieser Woche einen Trainingsplan gestartet: Seit Mittwoch, den 2. August 2017, fülle ich ein Raster mit roten Kästchen aus, wenn ich an diesem Tag mindestens 20 Minuten (oder idealerweise eine Stunde) meine Stimme trainiert habe. Seit Beginn habe ich drei rote Kästchen und ein schwarzes gemalt (gestern hatte ich wegen einer Ablenkung nicht geübt - du siehst, mein altes Problem trat wieder auf. Aber gestern war auch besonders, weil ich nicht nur durch die Suche nach der richtigen Kamera, einem guten Audio-Rekorder und Stativ für meine bevorstehende Reise nach Kuba abgelenkt war, sondern auch keine endgültige Kaufentscheidung getroffen hatte.

Das führt direkt zu einem anderen Problem: Ich bin ein schlechter Entscheider, weil ich nicht in der Lage bin, eine Entscheidung zu treffen, Ich fliege in der Luft wie ein Neo-Hippie auf Wolken. „Wunderbar“, aber nicht bodenständig und überhaupt nicht praktisch. Da frage ich mich wirklich, ob ich gegen meine eigene Natur ankämpfe, ein entspannter Kerl ohne Ehrgeiz zu sein, der nur abhängt und Dinge nimmt, wie sie kommen.

Weißt du, nachdem ich Teile meiner inneren Schlachten offenbart und den Text selbst noch mal neu gelesen habe, habe ich fast das Gefühl, wie ein Verrückter zu klingen, also jemand, der wirklich seinen Verstand verloren hat. Aber so sieht es innen bei mir eben aus. Wie geht es dir?).

Das war wohl der längste Klammertext, den ich je geschrieben habe. Ich hoffe du konntest etwas für dich daraus ziehen. Ich versuche, meine Ambitionen mit praktischen Handlungen abzugleichen, ohne abgelenkt zu werden und ohne zu starten und nur nach ein paar Tagen wieder aufzuhören. „Ich bringe Sachen zu Ende.“ zumindest sage ich mir das als Autosuggestion, um mich selbst damit zu indoktrinieren. Ohmmmmm. Das wars für heute!

Probier’ direkt am Montag aus, was du hier lernst und schreib’ mir, ob und wie es dir geholfen hat!

Nächste Lektion: Sonntag, 13. August 2017

Zuletzt aktualisiert am 8. August 2017


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